3 Möglichkeiten neue Choreografien zu entwickeln
Fällt es dir schwer, dir eine neue Choreografie für deine Tanzgruppe auszudenken? Oder fühlst du dich gerade einfach nicht kreativ und steckst irgendwie fest? Oder möchtest du sogar deine Schüler:innen an den Prozess des Choreografierens heranführen bzw. sie mit in diesen Prozess einbeziehen?
Wenn du dich angesprochen fühlst, ist dieser Blogbeitrag genau das Richtige für dich! Ich habe hier ein paar Möglichkeiten aufgeführt, die dir hoffentlich weiterhelfen. Immer wenn ich nicht mehr weiterkomme, greife ich auf diese Möglichkeiten zurück. Manchmal nur, um einen Ansatzpunkt zu bekommen, manchmal für einzelne Teile einer Choreografie aber auch, um meine Schüler:innen zu eigenem choreografischen Arbeiten zu motivieren und sie hierbei zu unterstützen.
Musik-Switch
1. Suche dir einen Song aus und choreografiere diesen ausschließlich durch Interpretation der Story und der Wörter des Liedes.
2. Suche dir nun ein komplett anderes Lied aus und tanze deine erdachte Choreografie auf dieses neue Musikstück. Wahrscheinlich wirst du einige Anpassungen in Tempo und Bewegungsqualität vornehmen müssen, versuche dennoch „Outside-The-Box“ zu denken: So muss z.B. nicht immer auf einen langsamen Teil in der Musik auch eine langsame Bewegung getanzt werden (oder umgekehrt) … wenn dem nicht so ist, kann dies ganz im Gegenteil sogar Spannung erzeugen!
Bekannte Bewegungskombination
1. Beginne mit einer Bewegungskombination die deine Schüler:innen schon kennen. Dies kann z.B. ein Teil aus der Across-the-floor-Übung deiner Stunde sein oder auch eine schöne Sequenz aus einer deiner Technikübungen. Bestenfalls hast du diese jedoch schon vor einiger Zeit im Unterricht erarbeitet, sodass alle deine Schüler:innen sicher in ihrer Ausführung sind.
2. Nun sollen zwei deiner Schüler:innen die Kombination zur selben Zeit tanzen: Dabei übernimmt eine Person die Ausführung der rechtsseitigen Übung und die andere die linksseitige Version.
3. Du kannst hier außerdem noch mit der Einsatzzeit spielen und ein:e Tänzer:in später starten lassen als den:die andere. So ergibt sich ein spiegelverkehrter Kanon.
4. Auch kannst du deinen Schüler:innen kurz Zeit geben, die Kombination von hinten nach vorne zu erarbeiten. Sie beginnen also mit der letzten Bewegung und arbeiten sich bis zum Anfang der Kombination durch. Anschließend kannst du wieder zwei Tänzer:innen zusammenstellen: Eine:r tanzt die originale Kombination, der:die andere die umgekehrte Version.
Stichwort oder Thema
1. Stelle eine Musik mit einem gleichbleibenden Beat an.
2. Nun gib deinen Schüler:innen ein Stichwort oder ein Thema vor. Mit diesem Wort im Kopf sollen sie anschließend eine Sequenz auf das im Hintergrund laufende Musikstück choreografieren. Du kannst du auch jedem deiner Schüler:innen ein anderes Thema oder Stichwort geben. Hierdurch wird das Ergebnis wahrscheinlich direkt etwas diverser was Bewegungsqualität und Energiemustern anbelangt.
3. Lasse anschließend alle ihre erdachte Sequenz vorzeigen.
4. Nun kannst du die Sequenzen aneinander reihen, wonach sich die Schüler:innen die Sequenzen jeweils gegenseitig beibringen. Du kannst aber auch zwei verschiedene Sequenzen miteinander tanzen lassen und so kombinieren.
Ich hoffe, ich konnte dir mit meinen 3 Möglichkeiten neue Impulse geben, wie du selbst, oder in Zusammenarbeit mit deinen Tänzer:innen, choreografieren kannst. Generell kannst du natürlich auch immer kleine Gruppen für die jeweiligen Aufgaben bilden, anstelle die Tänzer:innen alleine arbeiten zu lassen. Selbstverständlich kannst du auch all diese Möglichkeiten miteinander kombinieren oder sie abwandeln.
Ich habe folgend nun noch ein paar Tipps aufgeschrieben, die in meinen Augen bei der choreografischen Arbeit, spezielle auch bei der Arbeit mit einer Gruppe, wichtig und zu beachten sind.
Extra-Tipps:
Um mit deinen Schüler:innen choreografisch arbeiten zu können, muss ein sehr gutes Maß an Vertrauen zwischen dir und deinen Schüler:innen aber auch zwischen den Schüler:innen untereinander vorhanden sein (im besten Fall trainiert ihr alle schon über einen längeren Zeitraum zusammen). Eine eigens erdachte Choreografie vor Trainer:in oder Tanzlehrer:in und einer Gruppe zu tanzen, erfordert viel Mut und benötigt dringend das eben angesprochene Vertrauen!
Eventuell wirst du das Problem bemerken, dass sich nicht alle deine Schüler:innen wohl beim Erdenken eigener Choreografien fühlen. Bilde hier am besten kleine Gruppen, mit jeweils ausgeglichenem Verhältnis von Tänzer:innen die gerne choreografieren (du erkennst dies meist daran, dass sie im Unterricht Lösungsvorschläge einbringen oder selbst Gruppen trainieren und dadurch mit dem Prozess des Choreografierens vertraut sind) und jenen, denen es nicht so leicht fällt. Eine solch clevere Gruppenzusammenstellung erlaubt es auch den Tänzer:innen mit Unsicherheiten und wenig choreografischer Erfahrung ihre Ideen innerhalb ihrer Gruppe, einem geschützten und überschaubaren Umfeld, einzubringen und diese anschließend, auch wieder im Schutz der Gruppe, zu präsentieren.
Achte auf die Ebenen. Stelle sicher, dass alle Ebenen in der fertigen Choreografie vorhanden sind bzw. geben deinen Schüler:innen schon vorher Anweisungen auf welcher Ebene sie choreografieren sollen.
Sei flexibel bei der Musikwahl! Nicht immer passt alles so, wie man es sich vorgestellt oder ausgemalt hat… Halte nicht an einem Musikstück fest, obwohl diese im Laufe des choreografischen Prozesses keinen Sinn mehr ergibt oder nicht mehr passt.
Und am aller wichtigsten: Wenn du dich dazu entscheidest deine Schüler:innen mit in den choreografischen Prozess einzubinden, solltest du dir bewusst machen, dass dies ein langwieriges Projekt ist, welches eine gewisse Zeit benötigt. Versuche nicht, dies in einer einzigen Unterrichtsstunde unterzubringen! Der enorm positive Output dieser Arbeitsweise (neben dem eigentlichen Grund, im Anschluss eine neue Choreografie zu haben) ist, dass deine Schüler:innen mit einbezogen werden. So zeigst du Vertrauen in deine Schüler:innen, bildest damit ihr Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und auch der Gruppenzusammenhalt wird durch diese gemeinsame Aufgabe verfestigt. Darüber hinaus schulst du noch Dinge wie Kreativität, Eigenverantwortung, Kompromissfähigkeit und neue Sichtweisen!
Viel Spaß beim Ausprobieren!
Annika ♡