Korrekturen im Tanz überdenken: Wie du negative Korrekturen als aktive Anweisungen neu formulieren kannst

Wahrscheinlich kennst du als Trainer:in oder Tanzpädagog:in die folgende Situation: Du bist im Unterricht und beobachtest deine Tanzschüler:innen und siehst eine inkorrekte Ausführung. Also benennst und adressierst du diese an deine Schüler:innen und sprichst aus, welchen Fehler du siehst. Diese Art der Korrektur kann als negative Korrektur bezeichnet werden. Sie sagen deinen Schüler:innen, was sie falsch machen, also was sie NICHT tun sollen. Problematisch ist hieran, dass sie ihnen jedoch nicht sagen, WAS sie stattdessen tun sollen. Und hier liegt der entscheidende Unterschied.

Du kannst also versuchen, anstelle deinen Schüler:innen negative Korrekturen zu geben, diese in eine aktive Anweisung umzuwandeln. Das heißt, anstatt darauf hinzuweisen was nicht korrekt ist, gib eine Anweisung, welche dasselbe Ergebnis verfolgt. Wenn deine Schüler:innen ihren Blick immer nach unten senken, wäre deine Korrektur hierzu normalerweise eventuell so etwas wie „Nicht auf den Boden schauen!“ oder „Nicht den Oberkörper klein/krumm machen!“. Versuche es stattdessen einmal mit „Aufrichten!“ oder „Lang machen!“. Ein weiteres Beispiel für eine gängige Korrektur betrifft die Gewichtsverteilung auf den Füßen. Oftmals sieht man als Tanzlehrer:in Füße, die über die Außen- oder Innenkante gerollt werden. Hierzu wäre die negative Korrektur „Nicht ein- bzw. ausrollen!“. Diese lässt sich einfach umwandeln in „Versuche alle Zehen flach am Boden zu lassen!“ oder „Verteile das Gewicht gleichmäßig über den Fuß!“. Du zeigst mit dieser neuen Art der Korrektur direkt Möglichkeiten auf, wie eine Verbesserung vorgenommen werden kann und hilfst deinen Schüler:innen damit direkt bei der Umsetzung.

Hier sind noch einige andere, sehr häufige negative Korrekturen und ihre entsprechenden aktiven Umwandlungen:

„Nicht in der Hüfte sitzen!“ wird zu: „Oberkörper aus der Hüfte heraus nach oben ziehen!“

„Nicht klein machen!“ oder „Nicht krumm/energielos dastehen!“ wird zu: „Lang machen!“ oder „Nach oben wachsen!“

„Schulter nicht nach vorne fallen lassen!“ wird zu: „Schultern zurücknehmen!“ oder „Oberkörper aufrichten!“

„Kein Hohlkreuz machen!“ wird zu: „Brustkorb schließen und Steißbein nach unten verlängern!“

„Nicht die Knie nach innen Kippen lassen!“ (beim Plié) wird zu: „Knie über die Fußspitzen führen!“

Indem du von negativen Korrekturen zu aktiven Anweisungen übergehst, kannst du ein besseres Verständnis bei deinen Schüler:innen herstellen. Mit dem neuen Wissen, was sie tun sollen und was ihnen hilft besser zu werden (anstelle nur dem Wissen was falsch ist), können korrigierte Bewegungen nachhaltiger und erfolgreicher in Bewegungsmuster eingebaut werden (als nur das „Verbot“, etwas nicht zu tun). Auch förderst du mit dieser Art der Korrektur das Bewusstsein deiner Tänzer:innen für ihren Körper, indem du ihnen die Möglichkeit aufzeigst, wie Bewegungen auf einem neuen Weg ausgeführt werden und auch welche vielleicht bisher unentdeckten Möglichkeiten im eigenen Körper und dessen Bewegungsausführung liegen.

Probiere es doch einmal aus! ♡ Annika

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