5 Tipps für deine Kindertanzstunde
Im Laufe meiner Zeit als Tanzpädagogin habe ich unzählige Kinder unterrichtet und hierbei einiges an Erfahrung sammeln können. Vor allem in den Tanzklassen der Kindergartenkinder lief es auch bei mir am Anfang erst einmal nichts so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Improvisieren was angesagt! Für diejenigen Tanzlehrer:innen, die kürzlich oder zukünftig zum ersten Mal eine Tanzklasse mit Kindergartenkindern übernehmen ist mein ausdrücklicher Hinweis an dieser Stelle: Lasse dich auf keinen Fall entmutigen, wenn deine ersten Stunden anders laufen als von dir geplant! Das Unterrichten von einem Haufen quirliger Flöhe ist wirklich (Achtung: Wortwitz) kein Kinderspiel!
Ich hoffe, dass ich dir mir meinem heutigen Blogpost ein wenig unter die Arme greifen, und dir Tipps und Impulse für deine Kindertanzstunde geben zu kann.
1. Mitmachen!
Wärend es bei älteren Tanzkindern nötig ist, die eigene tänzerische Demonstration auch mal zurückzunehmen, und die Kinder selbstständig tanzen zu lassen, ist es bei Kindern im Kindergartenalter umso wichtiger durchgehend ein tänzerisches Vorbild zu sein (was aber NICHT heißt, dass du IMMER ALLES mitmachen musst). Jüngere Kinder lernen sehr personenorientiert, das heißt, die Lehrperson ist das direkte und im Unterricht einzige Vorbild. Wenn du also möchtest, dass deine Tanzkinder „wie Schmetterlinge fliegen“, musst du (zumindest einen Teil) des Fluges mit ihnen gemeinsam erkunden. Wenn sie aufrecht im Kreis und mit gestreckten Füßen sitzen sollen, musst du mit gutem Beispiel vorangehen und ihnen zeigen, was zu tun ist. Wenn du willst, dass die Kinder alles geben, musst du noch mehr geben!
2. Gib positives Feedback!
Kinder regieren gut auf positives Feedback. Halte also immer wieder Ausschau nach Dingen, die gut gemacht werden und hebe diese hervor.
Wenn einmal ein Großteil der Schüler:innen unaufmerksam ist oder Unfug macht, suche nach dem einen Kind, dass sich auf den Unterricht konzentriert und mitmacht und hebe etwas positiv durch Lob hervor, was dieses Kind gerade gut macht. Wie schon unter Punkt 1 besprochen, sind Kinder im jungen Alter sehr Lehrpersonenorientiert und somit wir das positive Feedback für die Kinder ein Ansporn sein, auch lobende Wort von dir hören zu wollen. Dieser Ansporn ist oftmals hilfreicher als die ganze Klasse zu tadeln.
Versuche allgemein beim Loben, dein Lob konkret zu formulieren. Wir als Tanzleher:innen wollen unsere Schüler:innen weiterbringen. Ein allgemein gehaltenes „gut gemacht“ ist natürlich immer schön zu hören, aber es hat nicht dieselbe Aussagekraft wie etwa ein „wow, bei den Sprüngen hast du deine Füße aber toll in der Luft gestreckt“. Halte also die Augen nach Dingen offen, die gut gemacht werden, hebe diese durch präzises positives Feedback hervor und mach deinen Schüler:innen hierdurch deutlich, was du sehen willst, was richtig ist und woran sie denken und arbeiten können.
3. Gestalte deine Stunde spielerische und fantasievoll!
Wenn Kinder in eine Tanzstunde kommen, wollen sie Spaß haben. Wenn sich also etwas nicht wie ein Spiel anfühlt, werden sie wahrscheinlich auch nicht viel Energie darauf verwenden und schneller unaufmerksam werden.
Mache die Übungen für die Kinder interessant und auch verständlich, indem du deine Anweisungen mit Bildern untermalst und beschreibst. Finde Möglichkeiten deine Schüler:innen spielerisch dazu zu bringen, etwas nachzustellen und auszuprobieren und dabei ihr Verständnis für die Bewegung zu verbessern.
Wenn du beispielsweise an den Armpositionen der Kinder arbeiten möchtest, fordere die Kinder auf, so zu tun, als ob sie einen ganz dicken Bauch haben, den sie festhalten. Schon lernen die Kinder auf spielerische Weise die 1. Armposition kennen. Anschließend könntest du sagen, dass sie nun einen großen Baum umarmen sollen, um somit auch noch die 2. Armposition zu üben.
Für eine Vorübung zur Chaîné-Drehung, die Drei-Schritt-Drehung, können sich die Kinder vorstellen, ein schönes Bild auf den Bauch gemalt zu haben (oder du haftest sogar wirklich etwas auf Bauchhöhe an die Kleidung der Kinder), oder dass ein Licht aus ihrem Bauchnabel heraus strahlt. Dieses soll die Kinder dann immer zu dir/zur Wand/zur Tür/ zum Spiegel zeigen, und anschließend wieder komplett davor verstecken. Wenn du ihnen jetzt noch einen geraden Weg durch den Raum zeigst (z.B. indem du den Anfangs- und Endpunkt mit einem Unterrichtsmaterial markierst), können deine Schüler:inne auf dieser Linie durch den Raum die Drehung üben.
4. Bleibe in Bewegung!
Ein häufiger Fehler beim Unterricht mit kleinen Kindern besteht darin, sich zu lange bei einer Aktivität oder Übung aufzuhalten. Kinder lassen sich leicht ablenken und ihre Aufmerksamkeit lässt schnell nach. Versuche also bei Kindern im Kindergartenalter nicht länger als 5 Minuten an einer Übung verweilen und auch nicht länger als 10 bis 15 Minuten in einer Formation zu verbringen (d.h. z.B. im Kreis, in einer Reihe, am Boden).
Plane außerdem immer etwas mehr Übungen ein als du Zeit hast. So kannst du jederzeit, wenn du merkst, dass du die Aufmerksamkeit der Kinder verlierst oder die Übung ganz und gar nicht funktionieren will, zu einer anderen Übung übergehen.
5. Überlege dir, was du sehen willst!
Wenn du neue Bewegungen einführst, solltest du dir vorher ganz genau Bewusst machen, was diese Bewegung ausmacht und welche Bewegungsqualität du dir erwünscht. Überlege dir im Vorfeld der Stunde einige Bilder, die zu der jeweiligen Bewegung und Bewegungsqualität passen. Dadurch kannst du mit geeigneten Bildern verschiedene Variationen einer Bewegung erarbeiten. So kannst du z.B. beim Laufen verschiedensten Laufstile von den Kindern zu sehen bekommen, wenn du diese nur gut einführst: Die Kinder können marschieren und dabei steif laufen wie Legomensch, sie können leicht huschen wie eine Elfe, sie können beschwingt laufen wie an einem schönen Sommertag auf einer Wiese. Auch kannst du auf diese Weise mit der Zeit die Schwierigkeit einer Übung steigern. So könntest du die Kinder bei jedem Grand Jeté (Spagatsprung) dazu ermutigen ihren eigenen letzten Sprung ein bisschen an Höhe und Weite zu überbieten.
Extra-Tipp:
Fasst man nun all diese Tipps zusammen, sind spielerische und aufregende Gestaltung, Fantasie, viel Motivation und Energie, Einsatzbereitschaft und vorbildliches Verhalten wichtige Attribute einer gute Kindertanzstunde und somit eines:r guten Kindertanzleher:in. Mein letzter Tipp als an dieser Stelle: Du solltest immer die interessanteste Person im ganzen Raum sein! Bringe den Raum zum Strahlen!
Viel Spaß beim Ausprobieren und Unterrichten! ♡ Annika