Warum du Unterrichtsmaterialien im Kindertanz nutzen solltest - Und Ideen, wie du sie zielführend und sinnvoll einsetzen kannst
Heute möchte ich über den Nutzen von Unterrichtsmaterialien im Tanzunterricht mit jungen Tanzkindern schreiben. Das Arbeiten mit solchen Materialien wie beispielsweise Tüchern, Bällen, Markierungen oder Matten kann jederzeit in die Tanzstunden integriert werden. Für die Kinder bietet dies, neben einer aufregenden Abwechslung, auch viel Nutzen und Mehrwert.
Unterrichtsmaterialien sind ideal, um verschiedene im Tanz bedeutsame Komponenten auf altersgemäße Weise einzuführen. Sie können Kinder zu Bewegungen anregen, die vielleicht bisher noch nicht in ihrem Bewegungsvokabular vorhanden sind. Sie können vielleicht bisher schüchterne oder zurückhaltende Kinder anlocken. Mit solch einem Unterrichtsmaterial wird ihnen „etwas zum Festhalten“ oder ein nötiger kreativer Impuls gegeben, den sie brauchen, um sich frei zu bewegen. Mit Kreativität und durch Vorstellungskraft werden Unterrichtsmaterialien zu den verschiedensten Dingen und können die tänzerische Arbeit mit Kindern unterstützen.
Mein Fokus soll heute auf dem Unterrichtsmaterial „Tuch“ liegen. Tücher sind für wenig Geld zu erwerben, meist gehören sie sogar zum Inventar einer Tanzschule oder eines Sportvereins, und können darüber hinaus in jeder Raumgröße genutzt werden. Im Folgenden gebe ich einen kleinen Überblick darüber, wie Tücher genutzt werden können, um an verschiedensten Komponenten der tänzerischen Erziehung zu arbeiten.
So kann mit dem Einsatz von Tüchern auf vielfältige Art und Weise Raumgefühl, -bewusstsein und räumliches Denken geschult werden. Beim Tanzen ist es wichtig, ein Bewusstsein für den „eigenen Raum“, die anderen Tänzer:innen und den Raum um sich herum zu entwickeln. Bei der Arbeit mit Unterrichtsmaterialien können Kinder auf spielerische Weise dazu animiert werden, über „ihren Raum“ und den ihrer Mittänzer:innen nachzudenken, und den sie umgebenden Raum zu erkunden und sich diesem Bewusst zu werden. Hierfür sollen sich die Kinder mit einem Tuch „groß und weit“ durch den Raum bewegen, dabei aber niemals ein anders Kind, Tuch oder eine Wand berühren.
Ausgebreitet auf dem Boden kann ein Tuch eine Picknickdecke, Eisscholle oder ein Floß werden. Lasse die Kinder der Reihe nach ihr eigenes Tuch im Raum auslegen, mit dem Ziel, immer genug Abstand zu den anderen Tüchern aber auch zu den Wänden zu haben. Lasse die Kinder nach jedem hinzugefügten Tuch überlegen, ob es gelungen ist und noch genug Abstand vorhanden ist. Liegt ein Tuch zu eng, lasse dies korrigieren. Die Kinder können hier ein Bewusstsein für die Größe des Raumes aber auch für nötigen Abstand untereinander entwickeln.
Auch als Vorübung zur Partnerarbeit eignen sich Tücher und andere Unterrichtsmaterialien hervorragend. So lernen die Kinder in ersten Schritten Verantwortung für einen Partner, in diesem Fall das Tuch, zu übernehmen. Sie können es hochwerfen aber auch wieder auffangen, sich frei im Raum bewegen, ohne dabei mit dem Tuch etwas zu berühren. Auch als Interaktionsbeginn können Unterrichtsmaterialien genutzt werden. Hierfür könntest du die Tanzkinder auffordern sich einen Partner zu suchen der die gleiche Tuchfarbe hat, oder sich in Gruppen aus unterschiedlichen Farben zusammenzufinden.
Das gleichzeitige Bewegen mehrerer Körperteile kann im frühen Kindesalter noch schwierig sein. Beim Tanzen mit einem Tuch bewegen die Kinder ihren Arm, um das Tuch zu schwingen, laufen, drehen oder springen aber auch gleichzeitig. Durch dieses spielerische Tanzen werden koordinative Fähigkeiten geschult.
Es gibt verschiedenste Arten sich zu bewegen: Gehen, Springen, Rollen sind nur einige davon. Durch die Nutzung eines Tuches, können die Kinder angeregt werden, sich auf unterschiedlichste Weise zu bewegen und neue Bewegungsformen zu erkunden. So kann dieses hochgeworfen und springend gefangen werden, oder wir schwingen das Tuch in einer Hand wie eine Wiege von rechts nach links und verlagern dabei das Körpergewicht von einem auf den anderen Fuß.
Durch den Einsatz eines Tuches, kannst du deine kleinen Tänzer:innen dazu bringen, mit ihren Augen den Bewegungen des Tuches zu folgen. Damit trainierst du, dass die Kinder in der Lage sind sich zu bewegen, und gleichzeitig ihren Fokus auf etwas anderes zu legen. Sie lernen beim Bewegen so u.a. auch „nach oben“ (zum Tuch) zu schauen und sich dennoch sicher zu bewegen.
Mit einem Unterrichtsmaterial wie dem Tuch lassen sich ideal Bewegungsqualitäten und -dynamiken sowie der dazugehörende Einsatz von Energie üben. Lasse die Kinder hierfür zunächst frei mit einem Tuch tanzen. Dann kannst du tänzerische Anweisungen einrufen. Dies könnte sein, dass die Kinder das Tuch ganz leicht und ruhig bewegen sollen, oder schnell und zackig. Du wirst sehen, wie sich auch der Tanzstil und die Bewegungsqualität der Kinder verändert. Sie können hierbei den Einfluss von Energie, Dynamik und Tempo in ihren Bewegungen erkunden. Auch könntest du die Kinder auffordern nur ihr Handgelenk oder den ganzen Arm zu benutzen, um das Tuch in Bewegung zu halten. Hierbei erfahren die Kinder, dass auch die kleinste Bewegung ihrer Hand noch tänzerische Formen erschafft und auch wie die Bewegung des Tuches größer wird, wenn auch ihre Armbewegung größer wird. Darüber hinaus können die Tücher im Unterricht zu Blitzen werden, die durch die Luft zucken, zu Vögel, die leicht, aber schnell durch die Luft gleiten, oder zu Wolken, die sich fast unmerklich im Wind bewegen.
Auch um Musikalität zu schulen, können Tücher genutzt werden. Hierfür kannst du ein (instrumentelles) Lied anstellen, das auf gegensätzlichen Höhen und Tiefen der Musik oder auf gegensätzlichen und unterschiedlichen Rhythmen aufbaut. Bei schnellen/hohen Abschnitten in der Musik könnte das Tuch beispielsweise hoch oben über dem Kopf oder in zackigen Bewegungsmustern bewegt werden, bei tiefen/langsamen Abschnitten knapp über dem Boden oder in runden und weichen Bewegungen.
Ein Tuch kann der Beginn einer Reise durch eine Geschichte und damit die Unterstützung der Einnahme einer Rolle sein, in die die Kinder schlüpfen können. Bei der Darstellung und Vertanzung dieser nutzen sie ihre Vorstellungskraft und Kreativität. Ein Tuch kann das Cape eines Superhelden sein, welches alle Kinder stark und unbesiegbar macht, der Schleier einer Prinzessin, die aufrecht und auf Zehenspitzen durch die Gegend trippelt, es kann durch den Raum schweben wie ein Drache oder den Kindern Schmetterlingsflügel zum Fliegen geben, es kann ein Regenmantel sein, mit dem die Kinder im Regen tanzen oder mit dem sie über Pfützen springen oder auch eine Picknickdecke auf der jedes Kind Platz nimmt um zum Abschluss der Stunde zur Ruhe zu kommen.
Und auch bei Choreografien kann Unterrichtsmaterial wie ein Tuch nützlich sein. Es hilft den Kindern sich mit einer Rolle zu identifizieren und diese „zu vertanzen“. Kinder machen hier erste Erfahrungen mit der künstlerischen und thematischen Vielfalt der darstellenden Künste.
Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Ausprobieren! ♡ Annika.